Pressemitteilung | Aachen, den 20. Juli 2010
Mit der Bitte um Veröffentlichung

Autonomes Zentrum Aachen
AK Antifa Aachen
Autonome Antifa Aachen A³


Bombenattrappe vor dem Autonomen Zentrum Aachen


Am Samstag den 17. Juli fanden Mitarbeiter des Vereins „Freunde unabhängiger Kultur in Aachen“ ein verdächtiges Paket vor der Eingangstür des überregional bekannten, alternativen Kulturzentrums. Polizei und Feuerwehr wurden umgehend alarmiert – diese riegelten die Umgebung weiträumig ab. Aufgrund der authentisch wirkenden Paketbombe wurden durch die Polizei Sprengstoffspezialisten des LKA Düsseldorf herangezogen. Der vermeintliche Sprengsatz wurde noch vor Ort „entschärft“.
Aufgrund der Vielzahl vorheriger Angriffe durch Neonazis auf das AZ, dessen Besucher und Privatpersonen in Raum und Stadt Aachen gehen wir auch in diesem Fall davon aus, dass diese Tat dem rechtsradikalen Spektrum zuzurechnen ist. Die Ereignisse von Samstag reihen sich nahtlos in eine Serie neonazistischer Gewalttaten ein, die seit der damaligen Schließung des alternativen Kulturzentrums (AZ) stetig zugenommen haben. Beispielsweise wurden in jüngster Vergangenheit explizite Morddrohungen an Privathäuser etwaiger politischer Gegner geschrieben oder deren Scheiben eingeschmissen; Besucher des AZs wurden mit Pfefferspray, Essigsäure und Schüssen aus Gaspistolen sowie Steinschleudern attackiert. Es ist ein glücklicher Zufall, dass bis dato niemand ernsthafte körperliche Schäden davongetragen hat. Die Wahl der Opfer scheint wahllos, bedenkt man, dass sich bei einer Vielzahl der kulturellen Veranstaltungen im Autonomen Zentrum Jugendliche aufhalten, die nicht zwingend einer politischen Szene zuzuordnen sind.
Straftaten mit neonazistischem Hintergrund dürfen nicht länger als alltägliche Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Jugendlichen herunter stilisiert werden. Die beschriebenen Taten haben deutlich gezeigt, dass Gewalt nicht nur gegen vermeintliche politische Gegner ausgeübt wird, sondern auch gegen jedwede bürgerliche Kräfte, die das Weltbild der faschistoiden Rechten ablehnen. Psychischer Terror, körperliche Schäden und vielleicht sogar Todesfolgen werden zur Durchsetzung der Ziele wohlwollend in Kauf genommen. Offizielle Reaktionen von Seiten der Stadt und ihres Oberbürgermeisters zu den Vorfällen, insbesondere der Bombenattrappe, blieben bis dato aus. Wir fordern deshalb die Stadt, ihren Oberbürgermeisters Marcel Philipp und die in Aachen politisch agierenden Parteien dazu auf, sich öffentlich zu den massiven Neonaziaktivitäten zu äußern.
Das Thema kann und darf nicht länger totgeschwiegen werden – nur in der öffentlichen Diskussion und mithilfe eines breiten bürgerlichen Bündnisses lässt sich das Problem nachhaltig angehen.

Keine Straßen, keine Räume, keine Stadt den Nazis!

Vorstand „Freunde unabhängiger Kultur in Aachen“ e.V.